Mein Leben ist eine Odyssee auf allen Ebenen. Lange Zeit geprägt von Angst, Wut, Depressionen und Selbstverletzung. Niniphe steht für alles, was ich in mir töten wollte: Meine Weiblichkeit, meine maßlose Hingabe, das wilde Kind, den Narren in mir.
Niniphe. Der Name tauchte aus den Tiefen meines Unbewußten auf. Dass mich etwas mit dem Namen verbindet, war mir nicht klar. Es handelt sich um die Kultstätte einer Göttin, die für die ungelebten, verleugneten Aspekte meines Wesens steht.
Niniphe leitet sich ab von dem Namen der Stadt Ninive. Die am Tigris gelegene Stadt wurde um 600 v. Chr. zerstört. Ihre Existenz läßt sich bis ins 4. Jahrtausend v. Chr. zurückverfolgen. Sie war der Göttin Ištar geweiht. Ihr Symbol ist die Venus, der Abend- und Morgenstern, dem sie mit dem Doppelcharakter ihres lichten und dunklen Antlitzes entspricht: Als Himmels- und Unterweltsgöttin, als Mutter- und Liebesgöttin, als Kriegsgöttin, Göttin der Fruchtbarkeit und der Wollust. Sie repräsentierte drei Geschlechter: Männlich, Weiblich und Zwitter. Ihr Symboltier ist der Löwe.
niniphe’s Kunstbegriff – dynamisch-essentiell
“Es gibt manchmal so viel Schönheit auf der Welt, dass ich sie fast nicht ertragen kann. Und mein Herz droht dann daran zu zerbrechen.” aus American Beauty
Es ist zerbrochen. Nicht einmal, zweimal – unzählige Male. Bis ich ihm die Freiheit schenkte. Zögerlich, voller Angst. Die Freiheit zu lieben. Das Leben – so, wie es ist. Den Tod – so, wie er ist. Und alles dazwischen – so, wie es ist.
Jetzt bin ich hier. Voller Hingabe an das Leben. Kann nicht anders, als meiner Wahrnehmung Gestalt zu verleihen. Auszusprechen, was mich berührt. Keine Roadmap, kein Weg, kein Ziel. Die Richtung weist – die Kunst.
Universell und zeitlos – absolut frei. Losgelöst von Objekt und intellektuellem Kontext. Einzig durch die intime Qualität innerer Wahrnehmung definiert. Eine Qualität, die im Empfinden des Einzelnen liegt. Kunst ist essentiell. Kunst ist dynamisch. Kunst ist Impuls.
Du bist wieder Kind: Voller Hingabe lebendig. Ohne Fragen nach dem Gestern oder Morgen, nach Bedeutung oder Sinn. Ohne Angst, ohne Erwartung. Pure Freude, pures Staunen, purer Schmerz. Mit allen Sinnen gegenwärtig im Hier und Jetzt. Du bist Eins mit Allem.
Die Quelle dieses Zustandes ist Kunst. Welche Erscheinungsform sie auch haben mag, in diesem Moment ist diese Quelle Kunst. Einzig in diesem einen kurzen Moment.
Ein Kunstbegriff, der Zweifel sterben, Angst vergehen läßt. Manipulation verliert ihre Macht. Ethische Selbstverantwortung, Humanität und Demokratie finden eine Grundlage in erlebter Überzeugung. Die Befreiung der schöpferischen Möglichkeiten schafft Zukunftsperspektiven ungeahnter Kraft und Schönheit.
Colours of Truth
Lebendige Kunst geschieht im Hier und Jetzt. Da, wo wir sie nicht erwarten. In den Werken der Art Brut und Outsider Art ist sie für mich zu finden. Tiefen der Seele, unmittelbar, ohne Filter, ohne Geschmacksverstärker. Schockierend, berührend -immer wahrhaftig. Die Werke der Heimatlosen unserer Zeit. Umgeben von Verbundenheit, stehen sie allein, schaffen sie allein. Fern der Gesellschaft. In der Psychatrie, Behinderten-Werkstätten, Haftanstalten oder still in ihrer Wohnung. Selten wird ihr Werk öffentlich wahrgenommen.
Nur wenige finden die Kraft, zu sagen: “Hier bin ich! Das bin ich! Sieh’ hin! Die Tür zu Welten, die dir auf ewig verschlossen sind. Ich öffne sie dir. Meine Sehnsucht, mein Wille und meine Hoffnung ist stärker, als die Angst vor dem Schmerz deiner Ablehnung, vor dem Tod.”
Sie erschaffen Kunst, die lebt. Die grenzenlose Hingabe an das Leben atmet. Sie erfüllen den Anspruch Antoni Tapies: “Die Kunst ist eine Quelle der Erkenntnis, … . Wenn Formen nicht imstande sind, die Gesellschaft, die sie empfängt, zur Meditation hinzuführen, ihr die Augen dafür zu öffnen, dass sie hinter der Zeit zurückgeblieben ist, wenn sie keine Heilung bringen, dann ist auch das Kunstwerk nicht authentisch.”
Wake up, Beauty!
Die Kunst – das wilde Tier. Sicherungsverwahrt im Zoo der Akademien, Museen und Paläste. Dort stirbt sie langsam. Mumifiziert in den Händen der “Geweihten”. Nur sie kommen ihr nah. Den Tod zu verschleiern ist ihr Geschäft. Ein Sarg aus purem Gold widersteht jedem Laut, jedem Blick. Das Mysterium, das unbegreifliche, unerreichbare Ideal ist geboren. Ganz sanft, ganz unbemerkt gewinnt es Macht über uns. Über die Freiheit des Herzens, des Geistes und der Kreativität. Legt unser Leben in die Hand seiner Schöpfer, der Geweihten. Der Wissenden und Mächtigen. Die Folgen schreiben Menschheitsgeschichte.
Die Revolution ist tot. – Die Kunst lebt.
Das Potential des 21. Jahrhundert: Technologie und Wissenschaft einen die Welt und die Existenz aller Geschöpfe. Kunstbegriff und Kunst den Geist und die Herzen aller Menschen. Wenn wir es wagen. Wenn wir es wollen. Dornröschen wachküssen. Unser aller Schönheit zum Leben erwecken. Wen haben wir zu fürchten – außer uns selbst?
Wach auf Schönheit! Jetzt und Hier!

